Chorus

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Der Chorus-Effekt ist ein Modulationseffekt, bei dem dem Originalsignal eine oder mehrere leicht zeitlich verzögerte und in der Tonhöhe minimal modulierte Kopien beigemischt werden. Das Ergebnis ist ein voller, schimmernder Klang, der den Eindruck vermittelt, mehrere leicht unterschiedliche Klangquellen wĂŒrden gleichzeitig spielen – Ă€hnlich wie bei einem Chor oder einem Streichorchester. Die klangliche Wirkung reicht dabei von subtiler rĂ€umlicher Tiefe bis hin zu deutlicher Klangverbreiterung.

Technisch basiert der Effekt auf der Überlagerung des Audiosignals mit modulierten Kopien, deren Verzögerungszeiten typischerweise zwischen 15 und 30 Millisekunden[Dickreiter] liegen. Diese werden mithilfe eines Tieffrequenzoszillators (Low Frequency Oscillator (LFO)) kontinuierlich verĂ€ndert, was zu leichten Schwankungen in der Verzögerung und Tonhöhe fĂŒhrt. Die modulierten Signalduplikate erscheinen dadurch geringfĂŒgig verstimmt. Die Wellenform des LFO ist manchmal einstellbar, z.B. sinusförmig oder dreieckförmig. 


Durch die Kombination von Original- und Effektsignal kommt es zu Phaseninterferenzen: Je nach Phasenlage werden bestimmte Frequenzanteile verstĂ€rkt, andere abgeschwĂ€cht. Da sich diese Phasenbeziehungen durch die laufende Modulation stĂ€ndig Ă€ndern, entsteht ein lebendiger, sich bewegender Klang mit charakteristischem Schimmern. In der Musikproduktion wird der Chorus-Effekt gezielt eingesetzt, um Instrumente wie Gitarren, Synthesizer oder Gesang voller, breiter und „grĂ¶ĂŸer“ klingen zu lassen.

Veranschaulichung anhand von einem Video


Zur besseren Veranschaulichung wurde die Frequenzvariation ĂŒberzeichnet dargestellt (ohne Audio)

Parametersteuerung

Die Wirkung eines Chorus-Effekts wird durch mehrere Parameter gezielt beeinflusst:
  • Modulationsfrequenz (Rate)
    Gibt an, wie schnell die Modulation durch den niederfrequenten Oszillator (LFO) erfolgt – also wie rasch sich die Verzögerungszeit (und damit auch die Tonhöhe) verĂ€ndert. Eine höhere Modulationsfrequenz fĂŒhrt zu schnelleren Schwankungen im Klangbild.
  • Modulationstiefe (Depth)
    Bestimmt, wie stark die Verzögerungszeit variiert. Höhere Werte fĂŒhren zu deutlich hörbarem Tonhöhenflimmern und einem grĂ¶ĂŸeren rĂ€umlichen Eindruck.
  • Verzögerungszeit (Delay)
    Legt die mittlere Verzögerung der Signalduplikate fest. FĂŒr den Chorus-Effekt liegen typische Werte zwischen 15 und 30 Millisekunden[Dickreiter]. Diese kurzen Verzögerungen bewirken, dass die Signalduplikate nicht als eigenstĂ€ndige Echos wahrgenommen werden, sondern das Original verstĂ€rken und mit ihm verschmelzen. Im Gegensatz zu einem Echo mit ĂŒber 100 ms[Dickreiter] wirkt der Chorus dadurch dichter und kompakter.
  • RĂŒckkopplung (Feedback)
    Ein Teil des Ausgangssignals wird zurĂŒck an den Eingang gefĂŒhrt. Dadurch verstĂ€rkt sich die Modulation – was zu komplexeren KlangverĂ€nderungen oder Resonanzeffekten fĂŒhren kann. RĂŒckkopplung erhöht somit die klangliche Tiefe und kann von subtil bis experimentell eingesetzt werden. (siehe auch: -> Flanger)
  • Vorschaltung (Feedforward)
    Ein Teil des verzögerten Signals wird direkt – also vor der Mischung mit dem Originalsignal – dem Ausgang zugefĂŒhrt. Dadurch entstehen gezielte PhasenĂŒberlagerungen, die bestimmte Frequenzen auslöschen oder verstĂ€rken. Im Unterschied zur RĂŒckkopplung wird das Signal hier nicht in den Kreislauf zurĂŒckgefĂŒhrt, sondern gezielt vorgeschaltet, um die Klangfarbe zu formen.
  • MischverhĂ€ltnis (Mix)
    Steuert das VerhÀltnis zwischen unbearbeitetem Originalsignal (Dry) und bearbeitetem Effektsignal (Wet). Ein hoher Effektanteil lÀsst den Chorus deutlich hervortreten, ein niedriger Mix-Wert belÀsst das Original stÀrker im Vordergrund.
  • Signalverteilung (Blend)
    Ermöglicht eine feinere Steuerung der einzelnen Signalbestandteile – zum Beispiel zwischen direktem, verzögertem und moduliert-verzögertem Klang. Im Unterschied zum einfachen Mix-Regler erlaubt Blend komplexere MischverhĂ€ltnisse, etwa in mehrstufigen oder parallelen Effektketten. So lĂ€sst sich das Klangbild gezielter gestalten, zum Beispiel durch Betonung einzelner Signalanteile.
Industriestandard zur Erzeugung eines Chorus-Effekts[Dattorro]

Abgrenzung zu verwandten Effekten

Trotz Ă€hnlicher technischer Grundlagen – insbesondere der Phaseninterferenz – unterscheiden sich Chorus, Flanger und Phaser klar im Klang:
  • Flanger
    Verwendet deutlich kĂŒrzere Delayzeiten (1–10 ms)[Dickreiter] und kombiniert diese meist mit Feedback. Dies erzeugt einen markanten Klang, der oft als sweeping-Effekt beschrieben wird.
  • Phaser
    Erreicht den Effekt nicht ĂŒber Zeitverzögerung, sondern ĂŒber spektrale Phasenverschiebung durch sogenannte Allpass-Filter. Das Ergebnis klingt schwebend und tendenziell dĂŒnner als Chorus oder Flanger.

 Effekte im Vergleich

Original.wav
Chorus.wav
Flanger.wav
Phaser.wav

Popularisierung und Anwendung in den 1980ern

In den 1980er-Jahren wurde der Chorus-Effekt zu einem stilprĂ€genden Klangmerkmal – vor allem bei Gitarren, aber auch bei BĂ€ssen, Keyboards und Pianos. Studios in Los Angeles und internationale Produktionen trugen entscheidend zur Verbreitung dieses Sounds bei.

Die Grundlage bildeten analoge GerĂ€te wie die Roland Jazz Chorus-Amps oder die Boss-Pedale. Viele dieser Effekte nutzten sogenannte Eimerkettenschaltungen (Bucket Brigade Devices) – eine analoge Technik zur Erzeugung von Delay- und Modulationseffekten. Bei Synthesizern war der Roland-Chorus besonders beliebt – etwa im Juno-60, dessen typischer Sound heute unter anderem mit dem June-60-Pedal von TC Electronic wieder aufgegriffen wird. SpĂ€ter hielten digitale Nachbildungen Einzug in DAWs (Digital Audio Workstation) und Effektplugins.


Literatur Empfehlungen

Quellen