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Flanger
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Der Flanger-Effekt gehört wie der Chorus-Effekt und der Phaser-Effekt zu den Modulationseffekten. Der Flanger-Effekt basiert auf dem Prinzip der Signalverzögerung (Delay). Durch seinen charakteristischen Klangeindruck, der oft als "spacig", "Jet-Effekt"[Thomas] oder "psychedelisch" beschrieben wird, prägte er Genres von Rock bis Elektronik. [Sandmann]
Beim Flanger-Effekt wird das Eingangssignal in zwei Pfade geteilt. Während das Direktsignal unverändert bleibt, wird das kopierte Signal um 1-10 ms zeitverzögert und dem Direktsignal anschließend zugemischt. Die Zeitverzögerung des kopierten Signals wird durch einen LFO (Low Frequency Oscillator) gesteuert.
Die Überlagerung beider Pfade erzeugt konstruktive und destruktive Interferenzen, die als frequenzabhängige Auslöschungen (Notches) und Verstärkungen (Peaks) in Form eines Kammfilters im Spektrum erscheinen. Da der LFO die Verzögerungszeit periodisch variiert, „wandert“ dieser Kammfiltereffekt durch das Frequenzband.[Thomas] Das Ausgangssignal des Verzögerungselements wird auf dessen Eingang rückgekoppelt, wodurch mehr oder weniger stark ausgeprägte Resonanzspitzen entstehen können.
Der Flanger-Effekt lässt sich durch einige Parameter anpassen, was deutliche Auswirkungen auf den Effekt hat. Typisch vorkommende Parameter sind:
Rate (Frequenz des LFO) Bestimmt die Modulationsfrequenz des Low-Frequency Oscillators (LFO), der die Verzögerungszeit steuert. Typische Werte liegen zwischen 0,1 Hz (langsame, schwebende Bewegung) und 10 Hz (schnelle, pulsierende Effekte). Durch Synchronisation kann die Rate an das Songtempo angepasst werden.
Depth (Intensität) Regelt die Amplitude der Verzögerungsvariation. Höhere Werte verstärken den „spacigen“-Effekt, während niedrige Einstellungen subtile Kammfilterungen erzeugen.
Feedback (Resonanz) Kontrolliert die Rückführung des modulierten Signals auf den Eingang (Gainfaktor g3 im Blockschaltbild). Erhöht die Resonanzspitzen und erzeugt metallische, sci-fi-artige Klangtexturen. Extreme Einstellungen führen zu selbstoszillierenden Feedback-Schleifen.
Mix/Blend (Balance) Legt das Mischverhältnis zwischen trockenem Originalsignal (dry) und effektbehandeltem Signal (wet) fest (Gainfaktoren g1 und g2). Bei 50 % entsteht ein klassischer Flanger, während höhere Werte (von g2) Vibrato-ähnliche Pitch-Modulationen ermöglichen. Bei 100% wet entsteht der Vibrato-Effekt.
Delay (Basisverzögerung) Definiert die Grundverzögerungszeit (1–10 ms) und beeinflusst den Frequenzbereich, in dem der Kammfiltereffekt wirkt. Das Grunddelay bestimmt, wie viele Peaks und Notches es im Frequenzgang gibt.
LFO-Wellenform Beeinflusst die Dynamik der Modulation (meist Sinus oder Dreieck).
Stereo-Panning Variiert den Effekt zwischen linkem und rechtem Kanal für räumliche Tiefe. Erreicht wird das durch zwei phasenverschobene LFO´s, die getrennte Delay-Strecken für den rechten bzw. linken Kanal ansteuern. .[Native];[Bonedo];[Wood]
Abgrenzung zu verwandten Effekten
Obwohl die Effekte Flanger, Chorus und Phaser zu den Modulationseffekten zählen, gibt es zwischen ihnen einige technische und akustische Unterschiede.
Der Flanger erzeugt Kammfiltereffekte durch kurze Delayzeiten (<10 ms) und Feedback. Klanglich äußert er sich durch resonante Schwebungen. Der Chorus erzeugt auch Kammfiltereffekte, allerdings mit höheren Delayzeiten (15-30 ms) und ohne die Feedback-Funktion. Dadurch wird eine räumliche Verbreitung simuliert. Der Phaser (zumindest in seiner analogen Implementierung) nutzt All-Pass-Filter zu einer Phasenverschiebung bzw. frequenzabhängigen Verzögerung (-> Gruppenlaufzeit). Der Klang wirkt dadurch weniger resonant.[Hubert];[Thomas]
Historische Entwicklung
Frühe Experimente mit Tonbandmaschinen
Die Ursprünge des Flangers reichen in die 1940er-Jahre zurück, als Pioniere wie Les Paul mit Tonbandgeräten experimentierten. Durch gleichzeitiges Abspielen identischer Aufnahmen auf zwei Maschinen und manuelles Verzögern einer Spur durch Fingerdruck auf den Flansch (engl. flange) der Spule entstand der typische Kammfiltereffekt. Diese Methode, später als künstliche Doppelspur-Technik bekannt, wurde in den 1960ern von den Beatles weiterentwickelt. Toningenieur Ken Townsend nutzte sie für Johns Lennons Gesang auf Revolver, wobei der Begriff „Flanging“ angeblich durch eine scherzhafte Erklärung von Produzent George Martin geprägt wurde.[Hubert]
Kommerzialisierung in den 1970ern
Mit der Einführung des ersten Flanger-Pedals Electro-Harmonix Electric Mistress (1976)[Fonts] wurde der Effekt für Gitarristen zugänglich. Hersteller wie MXR und BOSS folgten mit kompakten Pedalen, die analoge Bucket-Brigade-Device-Chips wie den MN3207 (BBD; manchmal auch als CCD (charge coupled device) bezeichnet) nutzten, um Verzögerungen von 1–20 ms zu erzeugen. Diese Hardware revolutionierte den Live-Einsatz, etwa bei Eddie Van Halen oder David Gilmour.[Sandmann];[Michael] Electro-Harmonix Electric Mistress (1976)
Digitalisierung und Software-Flanger
Mit der Digitalisierung der Musikproduktion in den 1990er- und 2000er-Jahren hielt der Flanger als Software-Effekt Einzug in alle gängigen Digital Audio Workstations (DAWs). Moderne Software-Flanger wie der Flanger-Effekt von Kilohearts[Kilohearts] bieten heute weit mehr Flexibilität und kreative Möglichkeiten als ihre analogen Vorgänger. Sie sind als Plug-ins in Formaten wie VST, AU oder AAX für Windows und Mac verfügbar und lassen sich auf beliebigen Audiospuren einsetzen - von Gitarren über Drums bis zu Vocals. Einige dieser Software-Flanger besitzen zahlreiche Zusatzfunktionen wie zusätzliche Parameter, Modulationsquellen oder Filter.[Thomas];[Hubert]
Der Flanger wird in zahlreichen Musikrichtungen und auf unterschiedlichsten Instrumenten eingesetzt. Ursprünglich ist er als spektakulärer Effekt in der Rockmusik bekannt, hat sein Einsatzspektrum aber längst auf elektronische Musik, Pop, R&B und experimentelle Klangkunst ausgeweitet.
Typischerweise wird der Flanger auf E-Gitarren verwendet, um den Sound mit seinem besonderen Effekt anzureichern. Besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren prägte er den Klang vieler Rock- und Hardrock-Produktionen. Aber auch auf Bass, Synthesizern, Drums (insbesondere Becken) und sogar Gesang findet der Effekt Anwendung, um Bewegung, Tiefe und psychedelische Klangfarben zu erzeugen.
In der elektronischen Tanzmusik (EDM) wird der Flanger oft auf Synthesizer-Flächen oder Drumloops eingesetzt, um repetitive Muster lebendiger zu gestalten und den Mix mit dynamischen, bewegten Texturen zu versehen. Im R&B sorgt ein subtiler Flanger auf den Drums für rollende Grooves und zusätzliche Bewegung.[Sandmann];[Michael]
In dem Hardrock-Klassiker "Unchained" von Van Halen verleiht der Flanger dem Gitarrenriff von Eddie Van Halen seinen legendären Flanger-Sound. Der Effekt ist so prägend, dass MXR ein eigenes Signature-Pedal mit den Originaleinstellungen von Van Halen entwickelte.[Van]
Der Song "Itchycoo Park" von Small Faces aus den 1960er-Jahren gilt als einer der ersten bekannten Studioeinsätze des Flangers. Hier wird der Effekt stellenweise so stark eingesetzt, dass zeitweise der gesamte Mix in den charakteristischen Klang des Flangers getaucht wird.[Small]