Reflexion

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Kurzdefinition

Reflexion bezeichnet das ZurĂŒckwerfen von Schallwellen an einer BegrenzungsflĂ€che, wenn Schall auf ein Hindernis trifft, an diesem abprallt und in das Ursprungsmedium zurĂŒckgeworfen/reflektiert wird. FĂŒr ideal glatte FlĂ€chen gilt dabei das Reflexionsgesetz, nach dem Einfallswinkel und Ausfallswinkel gleich groß sind.

Einordnung & Kontext

Reflexionen sind ein grundlegender Bestandteil der Raumakustik, der Schallwahrnehmung und der akustischen Modellbildung. Sie bestimmen maßgeblich, wie Schallquellen rĂ€umlich wahrgenommen werden, wie sich Nachhall bildet und wie sich der Klang eines Raumes entwickelt. Reflexionen treten immer im Zusammenspiel mit Absorption und Transmission auf und sind daher nie vollstĂ€ndig verlustfrei.

Physikalische Grundlagen der Schallreflexion

 
Schall breitet sich als mechanische Welle in Gasen, FlĂŒssigkeiten oder Festkörpern aus. Trifft eine Schallwelle auf eine BegrenzungsflĂ€che, an der sich die akustischen Eigenschaften des Mediums Ă€ndern (z. B. Übergang von Luft zu einer Wand), wird ein Teil der Schallenergie reflektiert.
 
Die StÀrke und Art der Reflexion hÀngen unter anderem ab von:
  • Material und OberflĂ€chenbeschaffenheit der BegrenzungsflĂ€che
  • Frequenz des Schalls
  • Einfallswinkel
  • akustischem Impedanzunterschied der beteiligten Medien

Neben der Reflexion treten stets auch Absorption (Energieumwandlung im Material) und Transmission (Durchgang des Schalls durch die Begrenzung) auf.

Allgemeines Reflexionsgesetz

 
FĂŒr ebene Wellen an glatten, ebenen BegrenzungsflĂ€chen gilt das Reflexionsgesetz:
 ÎžEinfall​=ΞAusfall​
Dieses Gesetz ist vor allem im Rahmen der geometrischen Akustik von Bedeutung. Bei rauen oder strukturierten OberflÀchen wird der Schall hingegen in viele Richtungen gestreut; man spricht dann von diffuser Reflexion.

Arten schallbezogener Anteile im Raum

 
In realen RĂ€umen tritt reflektierter Schall gemeinsam mit weiteren Schallanteilen auf. Zur Beschreibung werden drei Hauptanteile unterschieden:
 
Direktschall

Der Direktschall ist der Schallanteil, der ohne vorherige Reflexion auf direktem Weg von der Schallquelle zum Empfangsort gelangt. Sein Pegel nimmt mit zunehmender Entfernung ab und er ist entscheidend fĂŒr die Lokalisation der Schallquelle.

FrĂŒhe Reflexionen

FrĂŒhe Reflexionen entstehen durch einmalige oder wenige Reflexionen an nahegelegenen BegrenzungsflĂ€chen und treffen kurz nach dem Direktschall ein. Sie beeinflussen die wahrgenommene RĂ€umlichkeit, Klangfarbe und VerstĂ€ndlichkeit. Zeitlich liegen sie typischerweise innerhalb der ersten 15–50 ms nach dem Direktschall.

SpÀte Reflexionen und Diffusschall
 
SpĂ€te Reflexionen entstehen durch vielfache Reflexionen im Raum. Einzelne Reflexionswege sind nicht mehr unterscheidbar. Durch ihre zeitliche und rĂ€umliche Überlagerung bildet sich der Diffusschall, der aus nahezu allen Richtungen am Empfangsort eintrifft und den Nachhall eines Raumes bestimmt.


Reflexion und Interferenz

 
Überlagern sich einlaufende und reflektierte Schallwellen, entsteht Interferenz. Je nach Phasenlage kann es zu:
  • konstruktiver Überlagerung (VerstĂ€rkung)
  • destruktiver Überlagerung (AbschwĂ€chung oder Auslöschung)

kommen. In geschlossenen RĂ€umen kann dies zur Ausbildung stehender Wellen (Raummoden) fĂŒhren.

Reflexionsarten an GrenzflÀchen

 
Reflexion am festen Ende

Trifft eine Welle auf eine unbewegliche Begrenzung, ist die Auslenkung an dieser Stelle null. Die reflektierte Welle erfĂ€hrt eine Phasenumkehr um 180°. Ein Beispiel hierfĂŒr sind fest eingespannt schwingende Saiten oder starre WĂ€nde.

Demonstration einer Reflexion am festen Ende.

Reflexion am losen Ende

Bei einer frei beweglichen Begrenzung bleibt die Phase der reflektierten Welle erhalten. Ein Wellenberg wird als Wellenberg reflektiert. Die Auslenkung an der GrenzflĂ€che ist maximal, und die Überlagerung erfolgt gleichphasig.

Demonstration einer Reflexion am losen Ende.

Totalreflexion (idealisierter Grenzfall)

Von Totalreflexion spricht man, wenn nahezu die gesamte Schallenergie reflektiert wird und kaum Energie durch die Begrenzung dringt. In realen Anwendungen handelt es sich dabei um eine Idealannahme, da stets Verluste auftreten.
Demonstration einer stehenden Welle.
 


Reflexionen im geschlossenen Raum

 
In geschlossenen RĂ€umen fĂŒhren die zahlreichen Reflexionen an WĂ€nden, Decken und Böden zu einer komplexen Mischung aus Direktschall, frĂŒhen Reflexionen und Diffusschall. Besonders in rechteckigen RĂ€umen können sich Raummoden ausbilden, die bestimmte Frequenzen verstĂ€rken oder abschwĂ€chen und den Klang deutlich beeinflussen.

Wahrnehmungsaspekte

 
Das menschliche Gehör wertet Reflexionen vor allem anhand zeitlicher Unterschiede aus. Sehr frĂŒhe Reflexionen tragen zur Wahrnehmung von RĂ€umlichkeit und Breite bei. Der sogenannte PrĂ€zedenzeffekt (Haas-Effekt) beschreibt, dass die Richtung einer Schallquelle durch den zuerst eintreffenden Schall bestimmt wird, wĂ€hrend spĂ€tere Reflexionen hauptsĂ€chlich LautstĂ€rke, Klangfarbe und Raumempfinden beeinflussen. Bei großen Laufzeitunterschieden und ausreichendem Pegel können Reflexionen als Echo wahrgenommen werden.


Messung von Reflexionen

Reflexionen lassen sich nicht direkt als einzelnes PhĂ€nomen messen, sondern werden ĂŒber zeitliche und spektrale Analysen des Schallfelds erfasst. Zentrales Werkzeug ist dabei die Raumimpulsantwort, die das zeitliche Eintreffen von Direktschall und Reflexionen am Messpunkt abbildet.
Zur Messung wird in der Regel ein bekanntes Anregungssignal (z. B. Impuls, Sinus-Sweep oder Rauschen) ĂŒber einen Lautsprecher abgestrahlt und mit einem Mikrofon aufgezeichnet. Aus der Impulsantwort lassen sich unter anderem:
  • Laufzeiten einzelner Reflexionen
  • PegelverhĂ€ltnisse zwischen Direkt- und Reflexionsschall
  • frĂŒhe und spĂ€te Reflexionsanteile
bestimmen.
FĂŒr die Bewertung frĂŒher Reflexionen werden hĂ€ufig Zeitfensterungen eingesetzt, um gezielt bestimmte Zeitbereiche nach dem Direktschall zu analysieren. SpĂ€te Reflexionen und Diffusschall werden hingegen ĂŒber Energieabklingkurven und daraus abgeleitete KenngrĂ¶ĂŸen wie die Nachhallzeit beurteilt.
In der Praxis werden Messungen der Reflexionen hĂ€ufig mit geometrischen Modellen oder Raumakustik-Simulationen kombiniert, um Messergebnisse zu interpretieren und akustische Maßnahmen gezielt zu planen.

Praxisrichtwert fĂŒr RegierĂ€ume:
In RegierĂ€umen wird hĂ€ufig angestrebt, dass innerhalb der ersten ca. 15 ms nach dem Eintreffen des Direktschalls keine Reflexionen auftreten, deren Pegel höher als etwa −20 dB relativ zum Direktschall ist. Dieser Richtwert dient dazu, Kammfiltereffekte, VerfĂ€rbungen und BeeintrĂ€chtigungen der Lokalisation zu vermeiden. Er ist kein normativer Grenzwert, sondern ein praxisbewĂ€hrter Orientierungswert, der insbesondere im Zusammenhang mit Konzepten wie der Reflection Free Zone (RFZ) (HIER fehlt ein Link zu RFZ, gibts den schon? Artikelliste wird langsam, unĂŒbersichtlich...Suchfunktion im AuswahlmenĂŒ?)  verwendet wird.

Zusammenfassung

Reflexion ist ein zentrales PhĂ€nomen der Akustik und prĂ€gt die Schallausbreitung, Raumakustik und Wahrnehmung maßgeblich. Sie tritt stets gemeinsam mit Absorption und Transmission auf und wird je nach Fragestellung geometrisch, wellentheoretisch oder statistisch beschrieben. Das VerstĂ€ndnis von Reflexionen ist grundlegend fĂŒr die Planung, Analyse und Bewertung akustischer RĂ€ume.

Quellen

Leo L. Beranek, Acoustics, Acoustical Society of America, 1996
Heinrich Kuttruff, Raumakustik, S. Hirzel Verlag, 2018
F. Alton Everest, Ken C. Pohlmann, Master Handbook of Acoustics, McGraw-Hill, 2015
Thomas D. Rossing (Hrsg.), Springer Handbook of Acoustics, Springer, 2014