Kurzdefinition
Ausbreitungsphänomene beschreiben charakteristische Effekte, die während der räumlichen Ausbreitung von Schall auftreten und den Verlauf, die Richtung oder die Verteilung des Schalls beeinflussen.
Einordnung & Kontext
Ausbreitungsphänomene ergeben sich aus der Wellennatur des Schalls und den Eigenschaften des Mediums, in dem er sich ausbreitet. Sie unterscheiden sich von Schallwechselwirkungen an Grenzflächen, da sie nicht primär durch Materialien, sondern durch Geometrie, Wellenlänge und Mediumseigenschaften bestimmt werden.
In der Akustik sind sie besonders relevant für:
- Raumakustik
- Beschallung und Schallverteilung
- Umwelt- und Bauakustik
Zentrale Ausbreitungsphänomene (Übersicht)
- Beugung
Umlenkung und Ausbreitung von Schall an Kanten, Öffnungen und Hindernissen.
- Brechung
Richtungsänderung von Schall durch räumliche Änderungen der Schallgeschwindigkeit im Medium.
- Interferenz
Überlagerung mehrerer Schallwellen mit Verstärkung oder Abschwächung.
- Stehende Wellen
Ausbildung ortsfester Druckmaxima und -minima durch Überlagerung hin- und rücklaufender Wellen.
Praxisbezug
Ausbreitungsphänomene erklären, warum Schall nicht immer geradlinig verläuft, warum bestimmte Frequenzen bevorzugt verstärkt oder abgeschwächt werden und warum akustische Effekte stark positionsabhängig sein können. Sie bilden die Grundlage für viele weiterführende Modelle und Anwendungen in der Audiopraxis.
Zusammenfassung
Ausbreitungsphänomene beschreiben grundlegende Effekte der Schallausbreitung, die aus der Wellennatur des Schalls resultieren. Sie liefern einen konzeptionellen Rahmen für das Verständnis komplexer akustischer Situationen und werden in weiterführenden Artikeln detailliert behandelt.
Quellen
Heinrich Kuttruff, Raumakustik, S. Hirzel Verlag, 2018
Leo L. Beranek, Acoustics, Acoustical Society of America, 1996
Thomas D. Rossing (Hrsg.), Springer Handbook of Acoustics, Springer, 2014