Hallradius

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Definition

Der Hallradius beschreibt in einem geschlossenen Raum die Entfernung von einer Schallquelle, bei der der Pegel des Direktschalls gleich groß ist wie der Pegel des diffusen Schallfeldes (Diffusschall).
Bei einer kugelförmig abstrahlenden Schallquelle ist der Hallradius in alle Richtungen gleich groß.
Bei gerichteten Schallquellen spricht man stattdessen häufig vom Hallabstand, da dieser richtungsabhängig unterschiedlich ausfallen kann.

Abbildung fehlt:
 Raumakustik – Direktschall, Reflexionen, Nachhallzeit und Hallradius

Direktschall und Diffusschall

Der Schallpegel am Hör- oder Messort setzt sich aus zwei Anteilen zusammen:
  • Direktschall:
     Schall, der ohne Reflexionen direkt von der Schallquelle zum Empfänger gelangt
  • Diffusschall:
     Schall, der nach mehrfachen Reflexionen an den Raumbegrenzungsflächen ein annähernd gleichmäßig verteiltes Schallfeld bildet
Mit zunehmender Entfernung von der Schallquelle:
  • nimmt der Direktschallpegel ab
  • bleibt der Diffusschallpegel näherungsweise konstant
Der Hallradius markiert den Übergang zwischen diesen beiden Bereichen.

Bedeutung des Hallradius

  • Innerhalb des Hallradius:
     Der Direktschall dominiert, die Schallquelle ist klar ortbar.
  • Außerhalb des Hallradius:
     Der Diffusschall überwiegt, der Raumeindruck tritt stärker in den Vordergrund.
Der Hallradius ist damit eine wichtige Größe für:
  • Sprachverständlichkeit
  • Musikwahrnehmung
  • Mikrofonierung
  • raumakustische Planung

Einfluss auf Tonaufnahmen

Der Hallradius spielt eine zentrale Rolle bei Tonaufnahmen in Räumen.
Mit wachsendem Abstand zwischen Mikrofon und Schallquelle:
  • sinkt der Direktschallanteil
  • steigt der Diffusschallanteil
  • die Aufnahme klingt räumlicher und halliger

Gewollter Einsatz

Ein hoher Diffusschallanteil kann gezielt genutzt werden, z. B.:
  • bei Raummikrofonen
  • zur Abbildung des Aufnahmeraums
  • für natürliche Raumtiefe in Musikaufnahmen

Unerwünschter Effekt

In anderen Fällen ist der Hallradius störend, etwa wenn:
  • eine sehr trockene Aufnahme gewünscht ist
  • Mikrofone nicht nah genug an der Schallquelle platziert werden können
  • der Raum akustisch ungünstig ist

fehlt  Abbildung:

 Überlagerung von Direkt- und Diffusschall, Hallradius
 (nach Dickreiter)

Einfluss der Richtcharakteristik von Mikrofonen

Der wahrgenommene bzw. aufgenommene Hallradius kann durch die Richtcharakteristik des Mikrofons beeinflusst werden.
Mikrofone mit stärkerer Richtwirkung:
  • bevorzugen den Direktschall
  • unterdrücken Diffusschall aus anderen Richtungen
  • vergrößern den effektiven Hallradius
Beispielsweise kann:
  • eine Hyperniere gegenüber einer Kugel
     bei etwa doppeltem Abstand zur Schallquelle einen vergleichbaren Direktschallanteil liefern

Hallradius in Abhängigkeit der Polarpattern - Quelle/Grafik : eigenen Darstellung (KI unterstützt) nach Dickreiter

Zusammenhang mit Raumakustik

Der Hallradius hängt ab von:
  • der Richtwirkung der Schallquelle
  • der äquivalenten Schallabsorptionsfläche des Raumes
  • der Nachhallzeit
  • dem Raumvolumen
In stark gedämpften Räumen ist der Hallradius größer, in halligen Räumen entsprechend kleiner.

Verweise auf verwandte Artikel

  • Direktschall und Diffusschall
  • Nachhallzeit
  • Äquivalente Schallabsorptionsfläche
  • Raumakustik
  • Mikrofonrichtcharakteristiken

Zusammenfassung

Der Hallradius beschreibt den Abstand von einer Schallquelle, bei dem Direktschall- und Diffusschallpegel gleich groß sind. Er ist eine zentrale Kenngröße zur Beurteilung von Hör- und Aufnahmebedingungen in Räumen. Besonders in der Tontechnik beeinflusst der Hallradius maßgeblich den Klangcharakter von Aufnahmen und kann durch Mikrofonabstand und Richtcharakteristik gezielt genutzt oder kompensiert werden.

Quellen

Heinrich Kuttruff, Raumakustik, S. Hirzel Verlag, 2018
Leo L. Beranek, Acoustics, Acoustical Society of America, 1996
F. Alton Everest, Ken C. Pohlmann, Master Handbook of Acoustics, McGraw-Hill, 2015
Eberhard Dickreiter (Hrsg.), Handbuch der Tonstudiotechnik, Saur Verlag, 2014