Kompressor

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Funktionsweise

Abbildung 1: Kompressor Signal Diagramm


Das Eingangssignal wird in den Kompressor eingespeist, wo der Pegel des Audiosignals ĂŒberwacht wird. Anschließend ĂŒberprĂŒft der Algorithmus, ob der Signalpegel ĂŒber dem manuell einstellbaren Schwellenwert liegt. Überschreitet das Signal diesen Schwellenwert, so wird die durch das VerhĂ€ltnis festgelegte Reduzierung auf das Signal angewendet.

Die Reaktionszeit des Kompressors wird durch den Attack-Parameter gesteuert. Damit lĂ€sst sich bestimmen, wie schnell der Kompressor auf das Signal reagiert, und dies ermöglicht beispielsweise, die Transienten des Audiosignals vom Kompressionseffekt auszuschließen. Kurze Attackzeiten fĂŒhren zu schnell ausgefĂŒhrten RegelvorgĂ€ngen, welche zu nichtlinearen Verzerrungen fĂŒhren können. 
Genauso gibt es den Release-Parameter, der die Zeit bestimmt, die der Kompressor braucht um sich von der Gain-Reduzierung zu erholen, sobald das Signal unter den Schwellenwert fĂ€llt. Je nach Eingangssignal können kurze Release-Zeiten einen pumpenden Effekt oder Verzerrungen verursachen. Da die Einstellung des Releases auf einen festen Wert möglicherweise nicht fĂŒr alle Szenarien im Audiosignal geeignet ist, verfĂŒgen digitale Kompressoren in der Regel ĂŒber eine AUTO-Option zur Erkennung der eingehenden Transienten und passen so die Beendigungszeit automatisch an. So versucht man gleichzeitig die wahrgenommene LautstĂ€rke aufrechtzuerhalten und "Pumpen" zu vermeiden [4]. Ein Beispiel fĂŒr einen analogen Kompressor mit so einer Funktion ist der Fairchild 660 und 670 [5].

Zusammenfassung der wichtigsten Parameter:
Kompressor Plugin von Logic


  • Threshold: Der Pegel, ab dem die Kompression einsetzt.

  • Ratio: Das VerhĂ€ltnis, mit dem das Signal oberhalb des Thresholds reduziert wird.
        Wird beispielsweise bei einem VerhĂ€ltnis von 4:1 der Threshold um 4dB ĂŒberschritten, wird das Signal auf 1dB komprimiert.
        Bei einem VerhĂ€ltnis von 1:1 findet keine Kompression statt, da der Eingang genau dem Ausgang entspricht. Bei einem 
        VerhĂ€ltnis von unendlich:1 (Regler nach ganz rechts gedreht) wirkt der Kompressor wie ein Limiter, was bedeutet, dass alles, 
        was ĂŒber dem Schwellenwert liegt, vollstĂ€ndig komprimiert wird. Bemerkung: Bei manchen Realisierungen (Hardware/Software) wird der Kehrwert angegeben, z.B. 1:5 statt 5:1. In diesem Fall entspricht der Ratio-Wert der Steigung der Kompressionskennlinie.

  • Attack: Die Zeit, die der Kompressor benötigt, um nach Überschreiten des Thresholds den Regelvorgang abzuschließen. Genauer ist es die Zeit, die benötigt wird, bis die VerstĂ€rkung auf 2/3 des endgĂŒltigen Wertes abfĂ€llt [5].

  • Release: Die Zeit, die der Kompressor benötigt, bis die VerstĂ€rkung des Kompressors auf 1/3 des Ursprungswertes zurĂŒckgeht.

  • Make-up Gain: Da das Signal durch den Kompressor gedĂ€mpft wird, ist der Gesamtausgangspegel im Vergleich zum Eingangspegel niedriger. Um Pegelverluste auszugleichen verfĂŒgen Kompressoren daher ĂŒber eine Funktion, die das Ausgangssignal automatisch verstĂ€rkt. Eine optimale Einstellung des Make-up Gains in AbhĂ€ngigkeit von Threshold und Ratio lĂ€sst sich ĂŒber diese Faustregel finden: Make-up Gain=(Threshold)×(1−1/Ratio)
    Bsp: Bei einem Threshold von –10 dB und einer Ratio von 4:1 ergibt sich: Make-up Gain=10×(1−1/4)=7,5dB

  • Knee: Mit dieser Option kann die HĂ€rte der Threshold-Kurve geĂ€ndert werden. Ein "Soft Knee" verleitet dem Überschreiten des Throsholds einen weicheren und transparenteren Übergang, da er einen Bereich oberhalb und unterhalb des Schwellenwerts definiert, in dem der Kompressor langsam mit der Kompression beginnt oder aufhört. Ein "Hard Knee" bedeutet, dass der Kompressor nur dann anfĂ€ngt zu arbeiten, wenn das Eingangssignal ĂŒber dem Schwellenwert liegt und sofort aufhört, wenn es darunter liegt.

Theorie

Abbildung 2: Wellenformvergleich von Eingangs- und Ausgangssignalen
Die Abbildung zeigt folgendes:
  • Die Menge an Reduktion durch den Kompressor
  • Der transiente Teil der Wellenform, der den Kompressor auslöste, wird wegen der endlichen Attack-Zeit teilweise durchgelassen (roter Pfeil)
  • Die leiseren Teile werden wegen einer langen Release-Zeit ebenfalls vom Kompressor beeinflusst (blauer Pfeil)

Abbildung 2 zeigt die Eingangs-Ausgangs-Beziehung eines einfachen Kompressors. Die Signalamplitude xIn bezieht sich auf den Eingangspegel, wÀhrend der Output durch yOut dargestellt wird. Unter der Annahme, dass der Kompressor ohne soft knee arbeitet, lÀsst sich der Zusammenhang zwischen Input und Output wie folgt erklÀren:
Abbildung 3: Input und Output Pegel eines Kompressors mit unterschiedlichen VerhÀltnissen

y_{out} = \begin{cases} x_{in} & x_{\text{in}} \leq T \\ T + \frac{x_{in} - T}{R}, & x_{in} > T \end{cases}


  • xIn , yout= input/output
  • T = threshold in dB
  • R = ratio

Wenn der Eingangspegel unterhalb des Thresholds liegt (oder diesem entspricht), liefert der Kompressor denselben Ausgangspegel. Die mit 1:1 gekennzeichnete Linie bedeutet, dass Input und Output identisch sind. In den anderen FÀllen wird das Signal jedoch entsprechend dem VerhÀltnis komprimiert.


Einige Kompressoren verfĂŒgen möglicherweise ĂŒber eine Option zur Einstellung der Knee-Breite. Ein scharfer Übergang bezieht sich auf ein hartes knee und bewirkt, dass der Kompressionseffekt deutlicher und aggressiver wahrgenommen wird. Im Gegensatz dazu bedeutet ein weicher Übergang eine Knee-Kurve, die sich allmĂ€hlich von einem VerhĂ€ltnis von 1:1 an den Ecken zum gewĂŒnschten VerhĂ€ltnis in der Mitte hin erhöht. Mit  W = Knee-Breite, ergibt sich:

Abbildung 4: Ein Kompressor mit Knee-Breite

y_{out} = \begin{cases} x_{in} & 2(x_{in} - T) < -W \\[10pt] x_{in} + \frac{\left( \frac{1}{R - 1} \right) \left( x_{in} - T + \frac{W}{2} \right)^2}{2W} & 2|x_{in} - T| \leq W \\[10pt] T + \frac{x_{in} - T}{R} & 2(x_{in} - T) > W \end{cases}





Klang

Hier sind ein paar Audiobeispiele aufgefĂŒhrt, um den Kompressionseffekt zu zeigen. WĂ€hrend das erste Beispiel unbearbeitet ist, sind die anderen Beispiele um 1:2 bzw. 1:4 komprimiert.
Hinweis: Beachten Sie, wie der Audiopegel mit steigendem KompressionsverhĂ€ltnis gleichmĂ€ĂŸiger wird und achten Sie darauf, wie sich die Klarheit der Worte verbessert.

En./compressor_vocal_unprocessed.wav
En./compressor_vocal_2_1.wav
En./compressor_vocal_4_1.wav


Neben einem gleichmĂ€ĂŸigen Pegel wird der Kompressor auch dazu verwendet, die Wahrnehmbarkeit und AggressivitĂ€t des angewandten Signals zu verbessern.
En./Raw_kick_sample.wav
En./Compressed_kick_sample.wav


Oder umgekehrt, um es innerhalb der Musik weniger wahrnehmbar und weicher zu machen (Reduzierung der Attack-Werte durch Abfangen mit dem Kompressor).
En./Raw_guitar_sample.wav
En./Compressed_guitar_sample.wav

Entwicklung und Einsatz verschiedener Technologien

Röhrenkompression (Tube Compression)

Die Entwicklung von Audio-Kompressoren begann in den 1940er und 1950er Jahren mit den ersten Röhrenkompressoren, die in Aufnahmestudios eingesetzt wurden. Sie wurden fĂŒr den Rundfunk entwickelt, um die SprachĂŒbertragung auf einem konstanten Niveau zu halten. Sie spielten eine zentrale Rolle bei der Aufnahme und Abmischung von Musik, da sie es ermöglichten, den Dynamikbereich von Audiosignalen zu steuern und gleichzeitig den charakteristischen Klang der Röhren zu erhalten.

GrundsĂ€tzlich benutzt die Röhrenkompression eine sich Ă€ndernde Vorspannung, um den Gain einer Röhre in AbhĂ€ngigkeit vom Input zu steuern. Da Röhren ein nichtlineares Bauteil sind, arbeitet auch ein Röhrenkompressor nicht linear: Je lauter ein Signal ist, desto grĂ¶ĂŸer ist das VerhĂ€ltnis, mit dem es komprimiert wird. Aufgrund ihrer NichtlinearitĂ€t haben Röhrenkompressoren generell eine Soft-Knee-Kennlinie.

Diese frĂŒhen GerĂ€te, wie beispielsweise der legendĂ€re Fairchild 670, verwenden Vakuumröhren fĂŒr die dynamische Signalverarbeitung und werden als warm und musikalisch beschrieben. Da das VerhĂ€ltnis eines Signals von der EingangslautstĂ€rke abhĂ€ngt, kann man das VerhĂ€ltnis bei einem Röhrenkompressor nicht einstellen. Der Grad der Kompression wird durch die Input- und Threshold-Regler bestimmt. Röhrenkompressoren sind nicht die schnellsten; beim Fairchild betrĂ€gt die kĂŒrzeste Attack-Zeit 200 Millisekunden und die Release-Zeiten liegen zwischen 300 Millisekunden und ganzen fĂŒnf Sekunden.

Opto Kompression


In den 1960er Jahren kamen Opto-Kompressoren auf, die eine Lichtquelle und eine lichtempfindliche Zelle zur Steuerung des Signalpegels verwendeten. Hier bestimmt die StĂ€rke des Eingangssignals die Helligkeit einer GlĂŒhbirne oder einer Leuchtdiode. GegenĂŒber dieser Lichtquelle befindet sich ein lichtempfindlicher Widerstand, dessen Wert sich mit zunehmender Helligkeit des Lichts verĂ€ndert. Die Schaltung wird so aufgebaut, dass ein niedrigerer Widerstand eine grĂ¶ĂŸere Pegelreduzierung bewirkt. Diese Technologie fĂŒhrt zu einer natĂŒrlichen und sanften Kompression, die besonders bei Gesang und akustischen Instrumenten beliebt ist, da sie eine musikalische und organische Dynamik beibehĂ€lt. Eine Eigenschaft, die immer mit dem optischen Kompressor in Verbindung gebracht wird, ist MusikalitĂ€t. Das bedeutet, dass der Kompressor auch bei starker Kompression weitgehend unhörbar bleibt. Da es sich außerdem um einen sehr transparenten Kompressor handelt, wird er hĂ€ufig fĂŒr Gesang oder Soloinstrumente eingesetzt.

Ein bekanntes Beispiel fĂŒr einen Opto-Kompressor ist der Teletronix LA-2A. Er verfĂŒgt ĂŒber zwei Regler: einen Gain-Regler und einen Peak-Reduction-Regler, der den Grad der Kompression einstellt. Er hat feste Einstellungen fĂŒr Attack- und Release-Zeiten:

Attack-Zeit: ca. 10 Millisekunden.
Release-Zeit: Der Release erfolgt in zwei Phasen: Einer schnellen ersten Phase (ca. 60 Millisekunden) und einer langsameren zweiten Phase, die je nach Signalverlauf bis zu 5 Sekunden dauern kann. Das liegt daran, dass die Fotozelle etwa die HĂ€lfte ihres Widerstands innerhalb von 40 bis 80 Millisekunden abgibt. Der Rest wird ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum abgegeben, der AbhĂ€ngig davon ist, wie lange und mit welcher Helligkeit Licht auf die Zelle gefallen ist („Memory-Effekt”). Bei starker Kompression und/oder wenn das Signal lange Zeit ĂŒber dem Schwellenwert gelegen hat, erfolgt die Freigabe des LA-2A langsamer [6].


LA-2A Hardware GerÀt

FET Kompression

Zur selben Zeit wurden FET-Kompressoren (Field-Effect Transistor) entwickelt, die Transistortechnologie nutzen, um die PrĂ€zision und Geschwindigkeit der Kompression zu verbessern. Nach und nach wurden Röhren durch die „neuen“ und „modernen“ Feldeffekttransistoren ersetzt. Diese Komponenten wurden im Wesentlichen entwickelt, um die Funktionsweise von Röhren nachzuahmen, jedoch ohne deren negative Nebenwirkungen wie gefĂ€hrlich hohe Spannungen, ĂŒbermĂ€ĂŸige WĂ€rmeentwicklung wĂ€hrend des Betriebs und die begrenzte Lebensdauer von Röhren.

FET-Kompressoren, wie der berĂŒhmte Urei 1176, sind fĂŒr ihren aggressiven und schnellen Charakter bekannt und werden hĂ€ufig bei Schlagzeug- und Percussion-Aufnahmen eingesetzt, um einen kraftvollen und durchsetzungsstarken Klang zu erzielen. Im Vergleich zu Röhren arbeiten FETs viel schneller, was kĂŒrzere Attack-Zeiten ermöglicht. Dennoch sind FETs nicht gerade fĂŒr ihre Transparenz bekannt. DarĂŒber hinaus hatten frĂŒhe FET-Kompressoren Eingangs- und Ausgangsstufen mit Transformatoren, die den Klang ebenfalls fĂ€rbten. Somit haben FET-Kompressoren einen charakteristischen Klang. 

Der 1176 verfĂŒgt ĂŒber keinen separaten Threshold-Regler; dieser ist praktisch in den Input-Regler integriert: Je lauter das Signal in den Kompressor eingespeist wird, desto stĂ€rker wird die Kompression angewendet. Die Regelzeiten des Urei 1176 sind bekanntermaßen relativ schnell, selbst bei den langsamsten Einstellungen. Der 1176 eignet sich daher besonders fĂŒr die Bearbeitung von transientenreichen Signalen. Die Attack-Zeiten reichen von 0,02 ms bis maximal 800(?) ms, wĂ€hrend die Release-Zeiten zwischen 50 ms und maximal 1,1 Sekunden variieren. Die Regelzeiten reichen von langsam bis schnell, wobei der langsamste Wert mit dem Potentiometeranschlag auf der linken Seite eingestellt wird; je weiter man den Regler nach rechts dreht, desto schneller werden die Werte.

Über Drucktasten können vier VerhĂ€ltniswerte ausgewĂ€hlt werden. Bei den OriginalgerĂ€ten sind diese VerhĂ€ltnis-Schalter tatsĂ€chlich „entfernbar“; wenn man einen Schalter drĂŒckt, springt der zuvor ausgewĂ€hlte Schalter zurĂŒck in seine Aus-Position. Es ist jedoch möglich, alle vier VerhĂ€ltnis-Schalter gleichzeitig zu drĂŒcken, was einige der Einstellungen im GerĂ€t durcheinanderbringt und zu einem ganz besonderen Klang fĂŒhrt. Dieser Trick ist als „All-Button-Modus“ bekannt.

VCA Kompression

In den 1960er und 70er Jahren wurde der Einsatz von transistorbasierten Kompressoren immer beliebter, darunter auch VCA-Kompressoren (Voltage Controlled Amplifier, spannungsgesteuerter VerstĂ€rker). Diese Kompressoren verwendeten elektronische Schaltungen, um das Audiosignal prĂ€zise und schnell zu verarbeiten. VCA-Kompressoren ermöglichen eine prĂ€zise Steuerung der Kompression und erwiesen sich als ideal fĂŒr Anwendungen, bei denen eine klare und transparente Signalverarbeitung erforderlich war, wie z. B. bei Drum-Tracks oder in der Rundfunkindustrie.

Ein VCA ist ein spannungsgesteuertes VerstĂ€rkermodul, bei dem der Kompressor eine Steuerspannung verwendet, um den VerstĂ€rkungsfaktor in AbhĂ€ngigkeit vom Eingangssignal zu regulieren. Der Vorteil dieser Steuerung liegt in der vollstĂ€ndigen Kontrolle ĂŒber die Steuerzeiten, wodurch auch sehr kurze Attack-Zeiten möglich sind. Generell sind VCA-Kompressoren Ă€ußerst flexibel in ihren Anwendungsmöglichkeiten und zeichnen sich zudem durch einen neutralen Klang aus. Dennoch kann man mit den richtigen Tools fast jeden gewĂŒnschten Sound aus einem VCA-Kompressor herausholen. Beispiele hierfĂŒr sind der Empirical Labs Distressor, der alles andere als neutral klingt, der dbx 160 und der SSL Bus Compressor.

Der VCA-Kompressor ist vielseitig einsetzbar und kann sowohl als Summenkompressor als auch in einzelnen KanalzĂŒgen verwendet werden. Besonders hervorzuheben ist seine FĂ€higkeit, transientenreiche und perkussive Signale wie Drum-Aufnahmen und Drum-Subgruppen dank der prĂ€zise einstellbaren Timing-Werte effektiv zu bearbeiten.

Oft werden sie auch fĂŒr Parallelkompression verwendet. Bei diesem Verfahren wird das Signal dupliziert (oder auf einen Stereo-Aux-Pfad geleitet), wobei ein Signal unkomprimiert bleibt, wĂ€hrend das andere stark komprimiert wird. Das stark komprimierte Signal wird dann leise zum Originalsignal hinzugefĂŒgt. So entstehen lebendige Drum-Tracks, die sowohl dynamisch als auch durchsetzungsfĂ€hig sind. Dies ist als New Yorker Kompressionstrick bekannt. Man stellt die Attack-Zeit auf den schnellstmöglichen Wert und die Release-Zeit auf relativ langsame 500 bis 1.000 ms ein. Das VerhĂ€ltnis sollte auf 8:1 oder sogar 12:1 und der Schwellenwert auf eine Kompression zwischen -10 und -15 dB eingestellt werden. Auf der Parallelspur nach dem Kompressor wird der EQ bei 100 Hz und bei 10 kHz leicht angehoben. Der Bass kann auch auf den Parallelbus geleitet werden, um die Rhythmusgruppe stĂ€rker zu mischen.

Digitale Kompression

Mit dem Aufkommen der Digitaltechnik in den 1980er und 1990er Jahren wurden digitale Kompressoren entwickelt, die eine prĂ€zisere Signalverarbeitung ermöglichen und gleichzeitig die FlexibilitĂ€t von Softwarelösungen bieten. Diese digitalen Kompressoren können komplexere Verarbeitungsprozesse durchfĂŒhren, wie beispielsweise die Multiband-Kompression, bei der verschiedene Frequenzbereiche unabhĂ€ngig voneinander angepasst werden können.

In den letzten Jahren hat sich die Technologie weiterentwickelt und moderne Software-Kompressoren nutzen nun auch kĂŒnstliche Intelligenz (KI), um noch prĂ€zisere und benutzerfreundlichere Werkzeuge bereitzustellen. Diese KI-basierten Kompressoren analysieren automatisch das eingehende Signal und passen die Parameter in Echtzeit an.

Multiband Kompression

Ein Multiband-Kompressor teilt das Audiospektrum in mehrere FrequenzbĂ€nder, wobei man jedes dieser BĂ€nder separat komprimieren kann. Das Eingangssignal wird dazu durch Filter in verschiedene Bereiche zerlegt, meist in BĂ€sse, Mitten und Höhen. Threshold, Ratio, Attack und Release lassen sich dann fĂŒr jedes Frequenzband individuell einstellen. So kann man gezielt einen bestimmten Frequenzbereich bearbeiten, ohne das restliche Signal zu beeinflussen.

Literatur

[1] Giannoulis, D., Massberg, M., &; Reiss, J. D. (2012). Digital dynamic range compressor design—A tutorial and analysis. Journal of the Audio Engineering Society, 60(6), 399-408.
[2] Reiss, J. D., &; McPherson, A. (2014). Audio effects: theory, implementation and application. CRC Press.
[3] Pirkle, W. (2019). Designing audio effect plugins in C++: for AAX, AU, and VST3 with DSP theory. Routledge.
[4] Robjohns, H.(2014). Q. What does a compressor's auto-release control do? Sound On Sound. https://www.soundonsound.com/sound-advice/q-what-does-compressors-auto-release-control-do (abgerufen am 24.11.2025)
[5] Fumo, D. 2024. The History Of Compressors In The Studio. Vintage King. https://vintageking.com/blog/the-history-of-compressors-in-the-studio/ (abgerufen am 24.11.2025)
[6] Huber, D. M., Runstein, R. E. (2014). Modern Recording Techniques. 8. Auflage. Focal Press. ISBN 978-0-240-82157-3. S. 497
[7] Cooper, M. (2000). Universal Audio LA-2A. Mix. https://www.mixonline.com/technology/universal-audio-la-2a-370120 (abgerufen am 03.11.2025)