Absorption

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Kurzdefinition

Schallabsorption beschreibt den Prozess, bei dem Schallenergie beim Auftreffen auf Materialien teilweise in Wärme umgewandelt wird und dadurch nicht mehr in den Raum zurückreflektiert wird. Sie ist ein zentrales Mittel zur Beeinflussung von Nachhall, Sprachverständlichkeit und Klangcharakter eines Raumes.

Einordnung & Kontext

Schallabsorption ist eine der wichtigsten Schallwechselwirkungen an Grenzflächen, neben Reflexion, Transmission und Diffusion. In der Raumakustik wird sie gezielt eingesetzt, um den Schallpegel zu reduzieren, den Nachhall zu kontrollieren und unerwünschte akustische Effekte wie Dröhnen oder Hall zu vermeiden.
Für die Audiopraxis ist Schallabsorption besonders relevant in:
  • Regie- und Aufnahmeräumen
  • Konzertsälen und Theatern
  • Hörsälen und Klassenräumen
  • Büros und öffentlichen Räumen

Schallabsorptionsgrad

Unbewerteter Schallabsorptionsgrad

Der unbewertete Schallabsorptionsgrad α beschreibt den Anteil der einfallenden Schallenergie, der bei einer bestimmten Frequenz absorbiert wird:
α=einfallende Schallenergieabsorbierte Schallenergie​
Dabei gilt:
  • α=0: keine Absorption, vollständige Reflexion
  • α=1: vollständige Absorption
Der Absorptionsgrad ist frequenzabhängig und wird üblicherweise für Terz- oder Oktavbänder angegeben (z. B. 125 Hz bis 4000 Hz).
Bewerteter Schallabsorptionsgrad

Da frequenzabhängige Werte schwer vergleichbar sind, wird häufig der bewertete Schallabsorptionsgrad αw​ verwendet.
Er entsteht, indem:
  • die gemessenen frequenzabhängigen Absorptionsgrade als Kurve dargestellt werden
  • eine genormte Referenzkurve nach DIN EN ISO 11654 so verschoben wird, dass sie möglichst gut an die Messkurve angepasst ist
  • der Wert der Referenzkurve bei 500 Hz als αw​ festgelegt wird
Der Wert αw​ dient vor allem dem Vergleich von Materialien.

Absorberklassen

Auf Basis von αw​ werden Materialien in Absorberklassen eingeteilt:
  • Klasse A: αw​=0,90–1,00 (sehr stark absorbierend)
  • Klasse B: αw​=0,80–0,89 (stark absorbierend)
  • Klasse C: αw​=0,60–0,79 (mittelstark absorbierend)
  • Klasse D: αw​=0,30–0,59 (schwach absorbierend)
  • Klasse E: αw​=0,00–0,29 (sehr schwach absorbierend)
Zusätze wie L, M oder H (Low, Mid, High) kennzeichnen den Frequenzbereich, in dem die stärkste Absorption erreicht wird.
Eine höhere Klasse bedeutet dabei nicht automatisch „besser“, sondern nur eine andere akustische Wirkung.

Zusammenhang mit Nachhall

Schallabsorption steht in direktem Zusammenhang mit der Nachhallzeit eines Raumes. Je größer die gesamte absorbierende Fläche, desto schneller klingt der Schall ab.
Ein häufig verwendeter Zusammenhang ist die Sabine-Formel:
T60​=0,163AV​
mit
 V: Raumvolumen
 A: äquivalente Schallabsorptionsfläche
Die statistische Akustik betrachtet dabei nicht einzelne Reflexionen, sondern den mittleren Energieabbau im Raum.

Messung der Schallabsorption (Übersicht)

Impedanzrohr (Kundt’sches Rohr)

Mit einem Impedanzrohr wird der Reflexionsfaktor einer ebenen Schallwelle an einem Material gemessen. Daraus lassen sich:
  • Absorptionsgrad
  • Phasenlage
  • akustische Impedanz
bestimmen. Diese Methode eignet sich besonders für Materialproben unter definierten Bedingungen.
Hallraum (Nachhallraum)

In der Praxis sehr verbreitet ist die Messung im Hallraum nach DIN EN ISO 354.
Dabei werden die Nachhallzeiten:
  • ohne Prüfmaterial
  • mit eingebrachtem Prüfmaterial
gemessen. Aus der Differenz wird der Absorptionsgrad oder die äquivalente Absorptionsfläche berechnet.
 Diese Methode bildet realistische Einbaubedingungen besser ab, liefert jedoch gemittelte Werte.

Praktische Bedeutung

Schallabsorption wird gezielt eingesetzt, um:
  • Nachhallzeiten einzustellen
  • Sprachverständlichkeit zu verbessern
  • frühe Reflexionen zu kontrollieren
  • Klangverfärbungen zu reduzieren
Die Auswahl geeigneter Absorber hängt dabei immer vom Frequenzbereich, der Raumgröße und der gewünschten akustischen Wirkung ab.


Schallabsorber

Schallabsorber sind bauliche oder technische Elemente, die gezielt eingesetzt werden, um Schallenergie zu absorbieren und dadurch Reflexionen und Nachhall zu reduzieren. Sie wirken, indem sie die Schallschwingungen im Material oder in eingeschlossenen Luftvolumina in Wärme umwandeln. Je nach Bauform und Material unterscheiden sich Schallabsorber deutlich in ihrem wirksamen Frequenzbereich.
In der Praxis werden unter anderem poröse Absorber (z. B. Mineralwolle, Schaumstoffe), Resonanzabsorber (z. B. Plattenschwinger, Helmholtz-Resonatoren) und aktive Absorber eingesetzt. Die Auswahl eines geeigneten Schallabsorbers richtet sich nach der gewünschten akustischen Wirkung, dem Raumvolumen und dem zu kontrollierenden Frequenzbereich.

Berechnung von Schallabsorbern

COMSOL:Porous_Absorber

Typische Missverständnisse

  • Hoher Absorptionsgrad bedeutet nicht automatisch gute Raumakustik
  • Ein einzelner αw​-Wert ersetzt keine frequenzabhängige Betrachtung
  • Tieffrequente Absorption erfordert andere Bauformen als hochfrequente Absorption

Zusammenfassung

Schallabsorption ist ein zentrales Werkzeug der Raumakustik. Sie beschreibt, wie effektiv Materialien Schallenergie aufnehmen und damit Reflexionen und Nachhall reduzieren. Bewertete Kennwerte wie αw​ und Absorberklassen erleichtern den Vergleich von Materialien, ersetzen jedoch nicht die anwendungsbezogene Planung.

Quellen

Heinrich Kuttruff, Raumakustik, S. Hirzel Verlag, 2018
Leo L. Beranek, Acoustics, Acoustical Society of America, 1996
F. Alton Everest, Ken C. Pohlmann, Master Handbook of Acoustics, McGraw-Hill, 2015
Thomas D. Rossing (Hrsg.), Springer Handbook of Acoustics, Springer, 2014