Signalfluss
Der Begriff Signalfluss (engl. signal flow) beschreibt im Live-Sound den Weg eines Audiosignales von der Schallquelle bis zur Wiedergabe über ein oder mehrere Lautsprechersysteme. Ein gutes Verständnis dieses Signalflusses ist entscheidend, um den Aufbau eines Audiosystems nachvollziehen und somit mögliche Fehler schnell und effizient beheben zu können.
Erfassung von Audiosignalen
Im Live-Bereich werden Audio-Signale von einer Klangquelle auf der Bühne erzeugt und in der Regel auf zwei Arten erfasst: entweder mit einem Mikrofon oder mittels einer DI-Box (direct injection)1. Mikrofone wandeln akustische Signale in elektrische Signale um - sogenannte Mic-Level-Signale. Audiosignale, die über eine DI-Box oder direkt in das Mischpult eingespeist werden, verwenden den Line-Pegel (Line Level)2.
Einzelne Audiosignale können über separate Kabel oder gebündelt über ein sogenanntes Multicore-Kabel (Mehraderkabel) übertragen werden – ein physisches Kabel, das aus mehreren separaten einzelnen Leitungen besteht. Der Begriff Multicore wird dabei sowohl für die analoge als auch die digitale Signalübertragung verwendet, etwa über Netzwerkkabel oder Lichtwellenleiter2.
Signalaufteilung (Splitter-Systeme)
Bei größeren Produktionen mit mehreren Mischpulten werden bühnenseitige Audiosignale zunächst an einen sogenannten Splitter geführt. Dieser ermöglicht eine verlustfreie Aufteilung (Split) der Signale, sodass identische Kopien der Audiosignale an mehrere Positionen - etwa Front-of-House, Monitorplatz, Broadcast oder Recording - gesendet und dort unabhängig voneinander verarbeitet werden können3.
Mischpult und Stageboxen
Oft werden mehrere Mischpulte eingesetzt, wobei jedes Mischpult eine dezidierte Rolle übernimmt. Das sogenannte Front-of-House-Mischpult (FOH) ist für die Beschallung des Publikums zuständig – eingehende Audiosignale werden hier abgemischt, summiert und an ein oder mehrere Lautsprechersysteme weitergegeben. Das Monitor-Mischpult regelt hingegen ausschließlich die Beschallung der Musiker auf der Bühne, entweder über Monitor-Lautsprecher oder In-Ear-Systeme4. Bei Veranstaltungen, die im Fernsehen oder anderen Medien übertragen werden, kommt in der Regel ein zusätzliches Broadcast-Mischpult zum Einsatz, das speziell für die Live-Übertragung von Ton ausgelegt ist. Bei kleineren oder budget-orientierten Produktionen werden dagegen meist alle Aufgaben von einem einzigen Mischpult übernommen.
Die Einspeisung von Audiosignalen in das Mischpult erfolgt über die entsprechende Stagebox, die in der Regel bühnenseitig positioniert ist und ihre Signale direkt von den Splitterabgängen erhält. In digitalen Systemen werden hier Audiosignale gewandelt und anschließend mittels einer Netzwerkverbindung oder Glasfaserkabel an das entsprechende digitale Mischpult zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet5.
Ausspielwege
Nachdem Audiosignale im entsprechenden Mischpult bearbeitet wurden, müssen diese wieder ausgegeben werden. Hierfür werden sogenannte Mix-Busse verwendet. Sie fungieren als Sammelschienen, auf denen mehrere Audiosignale summiert und anschließen aus dem Mischpult ausgegeben werden. Ein typisches Beispiel dafür ist der Master-Bus eines Mischpults. Weitere Bus-Typen sind Aux-Wege, Matrizen und Sub-Gruppen. Grundsätzlich kann jeder Bus für nahezu jede Anwendung genutzt werden; die unterschiedlichen Bezeichnungen der Busse korrespondieren jedoch in der Regel mit deren intendierter Anwendung. So werden in der Praxis Aux-Wege häufig verwendet, um Monitor-Lautsprecher oder Effekt-Wege zu bespielen, während Matrizen die Master-Summe an verschiedene Lautsprecherzonen weiterleiten6.
Systemprozessor und Endstufen
Bevor Audiosignale über einen Lautsprechersystem wiedergegeben werden, werden sie üblicherweise über einen Systemprozessor oder Controller geleitet. Dieser übernimmt Aufgaben wie Frequenzbandkorrektur, Laufzeitausgleich (Alignment) zwischen verschiedenen Lautsprechern, Zuweisung zu den jeweiligen Lautsprecherzonen sowie den Systemschutz vor extremen Pegelsprüngen4.
Lautsprechersysteme
Im Live-Bereich müssen unter anderem sehr große Flächen beschallt werden. Um eine gleichmäßige Abdeckung zu gewährleisten, werden PA-Systeme (engl. public address) in mehrere Bereiche unterteilt, die jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllen. Das Main-Lautsprechersystem fungiert als Hauptlautsprechersystem und deckt den Großteil der zu beschallenden Fläche ab. Für weiter entfernte Bereiche ergänzend ein Delay-Lautsprechersystem verwendet, welches zeitlich verzögert wird, um Laufzeitunterschiede zum Main-System auszugleichen4. Sogenannte Frontfills bespielen den Publikumsbereich direkt vor der Bühne, der in der Regel von einem Main-Lautsprechersystem nicht ausreichend abgedeckt werden kann2.
Grafische Darstellung des Signalflusses
Video
Literatur
- "Sound Systems: Design & Optimization" von Bob McCarthy
- "The Ultimate Live Sound Operator's Handbook" von Bill Gibson
Quellen
- Pieper, F., „Das P.A. Handbuch: Praktische Einführung in die professionelle Beschallungstechnik“, München, 2005, ISBN: 3-910098-32-0
- Smyrek, V., „Tontechnik für Veranstaltungstechniker in Ausbildung und Praxis“, Stuttgart, 2012, ISBN: 978-3-7776-2230-9
- Davis, G.; Jones, R., „The Sound Reinforcement Handbook“, Milwaukee, 1989, ISBN: 0-88188-900-8
- Dickreiter, M., Dittel, V., Hoeg, W., Wöhr, M., „Handbuch der Tonstudiotechnik“, Berlin, 2014, ISBN: 978-3-11-028978-7
- Hölscher, Peer, „Digitale Stageboxen für digitale Mischpulte: Eine Revolution im Live-Sound“, https://ae-rental.de/ae-rental-news/newsreader/digitale-stageboxen-im-vergleich-aes-dante-madi.html
- Robjohns, H., „Sound on Sound: Is an Aux and a Bus the same thing?“, https://www.soundonsound.com/sound-advice/q-aux-and-bus-explained
- Behringer, (2013, 19.03.), "How live! Webinar: Signal Flow of a Sound System" [Video], Youtube. https://www.youtube.com/watch?v=Mu21CKdooYU